Vermögensuhr

Erläuterungen zur Reichtums- und Schuldenuhr (2. Version)

Die Zahlen zur Entwicklung des Nettoprivatvermögens in Deutschland beruhen auf der vom Statistischen Bundesamt und der Bundesbank gemeinsam herausgegebenen Veröffentlichung Sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen 1991 – 2011, und zwar auf den Angaben für das Reinvermögen der Privaten Haushalte und Privaten Organisationen ohne Erwerbszweck. (Vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VGR/Vermoegensrechnung/Vermoegensrechnung.html). Es umfasst im Wesentlichen Produktionsanlagen, Bauten, Bauland und Geldvermögen inklusive Wertpapiere und Beteiligungen, abzüglich Kredite, ohne Gebrauchsvermögen privater Haushalte. Für die Uhr wird der durchschnittliche Zuwachs vom 31.12.2001 bis 31.12.2011 mit konstanten Raten fortgeschrieben.

Die Zahlen zum Anteil der Reichsten am Gesamtvermögen beruhen auf den Berechnungen, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung 2010 auf Grundlage des Sozioökonomischen Panels unter Hinzuschätzung des Vermögens der Millionäre auf der Basis der Liste der 300 reichsten Deutschen des Manager-Magazins für 2007 vorgenommen hat. Daraus ergibt sich eine höhere Vermögenskonzentration als aus den offiziellen Statistiken, in denen die sehr Reichen systematisch untererfasst sind. Die so ermittelten Zahlen stimmen auch recht gut mit denen der gesamtwirtschaftlichen Vermögensbilanzen zusammen. (Zur Methodik vgl. DIW Berlin, Aufkommens- und Verteilungswirkungen einer Grünen Vermögensabgabe, Kapitel 3.5, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0084-diwkompakt_2010-0595). Danach betrug 2007 der Anteil des reichsten Prozents am Gesamtvermögen 35,7 Prozent. Das waren die Personen ab einem Nettovermögen von etwa 800.000 Euro. Da die Vermögen seit 2007 deutlich gestiegen sind, kann man heute grob sagen, es handelt sich um die Millionäre. Da es keine besseren und aktuelleren Zahlen für die Verteilung der Vermögen gibt, haben wir diesen Anteil konstant gesetzt und auf die laufenden Vermögenszahlen angewendet.

Die Zahlen zur Staatsverschuldung beruhen auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes zu den Schulden der öffentlichen Haushalte zum 30.12.2012 in Höhe von 2072 Milliarden Euro. (Vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/OeffentlicheFinanzenSteuern/OeffentlicheFinanzen/Schulden/Schulden.html) Da die staatliche Neuverschuldung sich seit 2011 stark verlangsamt hat und weiter verlangsamen soll, ist eine Fortschreibung auf Grundlage des durchschnittlichen Schuldenzuwachses der Vergangenheit hier nicht sinnvoll. Wir haben daher einen jährlichen Zuwachs der Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden von 20 Milliarden Euro angesetzt, so wie es von der Bundesregierung für das Jahr 2013 eingeplant ist. (Vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2012/12/2012-12-03-PM79-Anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=1)

Die Vermögenszahlen dieser Uhr unterscheiden sich deutlich von denen der Reichtumsuhr, die auf Berechnungen des DGB Hessen-Thüringen und ver.di Hessen beruht. Das liegt an den unterschiedlichen Datenquellen. Vgl. http://hessen-thueringen.dgb.de/themen/++co++7eae137e-e4ed-11e0-598f-00188b4dc422/@@index.html?k:list=Politik%20%26%20Gesellschaft

Weitere Informationen zur Verteilung und möglichen Besteuerung von Vermögen: http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/12.studien.html

Ralf Krämer, Bereich Wirtschaftspolitik beim ver.di Bundesvorstand, 3.05.2013